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Cori,
30 April 2009
Germany
, Osnabrück
Das große Abenteuer
Dies ist nun mein letzter Bericht von (schon nicht mal mehr aus) Japan. Ich erzähle euch jetzt von meinen Arbenteuern, den Städten, die ich gesehen habe, von regionalen Unterschieden und Menschen, die mir so auf meinem Weg in den Süden und wieder zurück begegnet sind.
Einen ausführlichen Bericht von meiner ersten Station in Nikko konnte ich ja schon veröffentlichen. Vom kalten und schon nicht mehr verschneiten Nikko fuhr ich in 10 Stunden nach Nagoya, südlich von Tokyo. Dort übernachtete ich bei einem amerikanischen Paar, das in Japan seit ein paar Monaten – wie fast jeder ansässige Ausländer - Englisch unterichtete. Und zum ersten Mal brach meine neue Katzenallergie voll aus. Ich war nur am Niesen und Augen jucken, wie konnte das nur passieren
. Ich hatte nur einen Tag, um die Stadt kennen zu lernen und wie jede meiner darauffolgenden Stadtbesichtigungen bestand dieser Tag aus einem Rundgang zum Schloss und den zwei bis drei auf den fürchterlich ungenauen Touristenkarten beschriebenen Sehenswürdigkeiten. Im Schloss war ich mehr als dankbar das Japanisch auf der Toilette verstehen (und erstmal lesen) zu können... Da stand beim Waschbecken: „Das ist kein Trinkwasser!!“...ich füllte meine Wasserreserven natürlich immer in Toiletten auf. Gefährlich. In Nagoya gab es dann sogar einen extra Frauenwagen in der U-Bahn während der abendlichen Rush Hour
. Mit Englisch kam ich im Allgemeinen in dieser Stadt auch sehr weit, nur die Frau bei McDonald wollte einfach nicht den Ausdruck „Cheeseburger“ verstehen xD...
Vom Wechsel Sonne (während der Zugfahrt) und Regen (während der Besichtigungen) ließ ich mich in Nagoya noch nicht beunruhigen. Leider wurden diese Umstände zum Dauerzustand. Der gesamte März war verregnet. Unglaublich. Hab mich oft geärgert, allein schon weil meine Schuhe nicht den geringsten Widerstand gegen Wasser mehr zeigten. Auch provisorische Tütenverschnürversuche halfen wenig. Schnell hatte ich mich so an nasskalte Füße, stinkende Sachen und andere Backpackereigenschaften zu gewöhnen.
Durch Nagoya erreichte ich mich eigentliches nächstes Ziel: Hiroshima. Der Zug fuhr größtenteils am Ozean entlang und ich konnte neben Kirschblüten auch viele Orangenbäume bestaunen. Mein Hostel lag direkt neben dem Friedenspark. Aber wie so oft ließen sich die Städte eh bequem zu Fuß durchwandern, wenn man den ganzen Tag dafür Zeit hatte. Da der Tag mit Sonne begann, ließ ich das Atombombenmuseum noch links liegen und spazierte durch die grünen Anlagen. Ein weiteres Erinnerungsmausoleum/museum war umsonst für die Öffentlichkeit zugänglich. Die Videos dort und Zeugenaussagen haben so sehr auf mein Gemüt gedrückt, dass ich nicht mehr auf das eigentliche – nach Hörensagen sehr gute – Museum zurückkam. Was für ein unbeschreibbares Grauen sich damals in dieser Stadt abgespielt haben muss. Ich hatte die restlichen Tage stets ein ungutes Gefühl in dieser Stadt, die auf Toten gebaut wurde, zu schlafen. Man hatte damals überlegt, ob man an einer anderen Stelle die Stadt wiederaufbaut. Wurde allerdings überstimmt. Am gruseligsten war natürlich der Atombombenturm, von den Japanern auch liebevoll A-Bomb-Dom bezeichnet, was mich eher an eine Konzerthalle erinnert. Naja. Aber dieses fensterleere, halb zerstörte und doch irgendwie erhaltene Gebäude stellt das Mahnzeugnis überhaupt dar.
Zum ersten Mal konnte ich in Japan Straßenbahn fahren. Die sind allerdings nichts im technischen Vergleich mit Deutschland (der Lärm an den Haltestellen ist u.a. ohrenbetäubend, aber das ist in Japan ja nicht Neues
)... Liegt sicherlich zum größten Teil auch daran, dass sie nicht Hauptverkehrsmittel neben dem Bus sind. Bei einigen hätte ich das Wort historisch benutzt. Es gibt immer eine Art Schaffner, der mitfährt und auch schon vor der Haltestelle durch den Wagon läuft und Geld einsammelt
. Mit einer konnte ich sehr bequem zum Fährhafen durchfahren, wo ich eine Fähre zur berühmten Insel Miyajima nahm. Dort steht ein feuerroter Tempel, dessen Gänge sich über den gesamten Strandbereich erstrecken (und natürlich wird man allein fürs Durchschreiten abgezockt, dabei sind alle Details auch von außen einsehbar). Aber die eigentliche Sehenswürdigkeit ist das rote Schreintor, das bei Flut zu einem guten Stück im Wasser steht und die romantischsten Bilder und Stimmungen entstehen lässt. Mein Hostel war so schlau die Flutzeiten anzukündigen, sodass ich zur Flut vor dem Tor stand. Ebbe soll auch ein Ereignis sein, denn die Legende sagt, dass jedem Glück widerfährt, der durch das Tor schreitet. Ich lief an den vielen Rehen vorbei und bestaunte auch die unzähligen anderen Tempelanlagen an einem der wenigen sonnigen Tagen meiner Reise.
Von Hiroshima aus nahm ich problemlos eine Fähre auf die kleinste Hauptinsel Japans: Shikoku. Östlich von Hiroshima gelegen, benötigte ich 3 Stunden zur Überfahrt. Der Hafen lag weitab der eigentlichen Stadt, die ich erreichen wollte, aber beim Ausstieg lief ich direkt in die Arme zweier Deutscher, die besser Bescheid wussten und mich in Bus und Bahn begleiteten. In Hiroshima hatte ich auch so viele Deutsche gehört. Perfekt. In Matsumoto angekommen checkte ich in einem Kapselhotel ein und fand mich bequemer untergebracht als befürchtet. Jeweils zwei bis vier Kapseln bildeten eine Einheit mit Schließschrank und Vorhängen, die Sichtschutz boten. Man lag damit quasi qie in Doppelstockbetten, nur dass die Betten komplett abgeschirmt waren durch die Kapsel. Innen hatte man eine kleine Ablagefläche samt Fernseher, zudem Radio und Wecker. Die Kapseln waren geschlechtergetrennt. Die Anlage besaß auch Internet und Küche, aber ich versuchte dennoch so wenig wie möglich Zeit in der Nähe der Kapseln zu verbringen, da der ganze große Raum unglaublich widerlich nach Zigaretten stank, was auch vor den nicht komplett isolierten Kapseln halt machte. Im Prinzip war das Hotel rauchfrei, aber an der Rezeption, direkt neben dem einzigen Eingang zum Kapselraum befand sich eine Raucherzone mit installierter Abzugsmaschine, die scheinbar nicht das non-plus-ultra war. Nach der ersten Nacht bin ich ins Freie gestürmt und habe wie nie in meinem Leben Luft getrunken. Durchschlafen war auch nicht gegeben, da ich nach erster Erdbebenalarmierung meine Sinneswahrnehmung korrigieren musste. Die Kapsel wackelte nicht nur einmal sondern immer und immer wieder, bis ich erkennen musste, dass wahrscheinlich zu viele Leute dabei waren aufzustehen...
In dieser Stadt befand sich das berühmteste Onsen Japans, das Älteste. Das Haus war auch eine Sehenswürdigkeit für sich, allerdings war das Badeerlebnis nichts Besonderes. Nur ein Becken und nicht mal Shampoo, sodass ich mich doppelt so lange abduschte, damit ich als Nichtshampoobesitzer in den Augen der Japaner trotzdem als sauber durchging. Ich wurde beim Schwitzen im Wasser dann auch gleich von einer jungen Japanerin angesprochen und wir unterhielten uns ein wenig. Ich war nie allein in einem Onsen, obwohl ich auf meiner ganze Reise immer allein hineingegangen bin. Auch meine beiden Deutsche saßen im Becken, hatten aber keine Notiz von mir genommen. Ich hatte die etwas komfortablere Badeversion als das pure Waschen gewählt (ja, im berühmtesten Onsen Japans gibt es verschiedene Varianten) und konnte nach dem heißen Vergnügen so einen flauschigen Yukata anziehen, mir dafür ein paar kawaiii Rufe einfangen, und in die Lounge nach oben gehen, wo mir ein paar Kekschen und etwas schon abgekühlter (-.-) Tee serviert wurden. Ich denke, das Problem mit dem Onsen war wirklich dessen nationaler Status. Da muss der Service nicht so gepflegt werden...
Neben dem Onsen war ein schöner Park, der mit Allen von blühenden Kirschbäumen aufwarten konnte. Dort begann das Kirschblütenparadies. Die ersten hatte ich auf meiner Fahrt nach Nagoya gesehen, aber je weiter südlicher ich kam, desto prächtiger blühten sie bereits. Jetzt verstehe ich, warum sie das Nationalsymbol Japans sind und ich bin sehr glücklich, die Kirschblüte noch miterlebt haben zu können!
Nach dem obligatorischen Schloss und Gartenbesuch war ich auf dem Weg zu irgendeiner europäisch angehauchten Villa und wurde vom Fahrrad aus angesprochen und ohne weitere Umschweife begleitet. Ich hatte schon im Vorfeld etwas von den freiwilligen Fremdenführern japanischer Städte gehört, aber eher einen in Hiroshima erwartet, wo ich auch erst mit 2 Leuten im Friedenspark im Gespräch war, was sich dann allerdings als irgendeine religiöse Anmache herausgestellt hatte. Er erzählte mir was zur Villa, zu den Bildern und chinesischen Gedichten im Innern (und verbot mir das Fotographieren...grrr...hätte sonst niemand mitbekommen...nicht mal ich selbst hatte das Vebotsschild gesehen), machte Fotos für mich (mit mir) und war nur schwer wieder abzuschütteln. Einerseits war ich dankbar für die Gesellschaft, die ich mir kurz zuvor gewünscht hatte, denn in Hiroshima habe ich mich sehr einsam gefühlt, und hörte den Geschichten über Piraten zu. Andererseits redeten wir die meisten Zeit in Japanisch, was mich höchste Konzentration und ihn Einfallreichtum kostet, was auf Dauer einfach anstrengend ist
. Also entschuldigte ich mich nach unserem Ausflug zum Shoppen und ging – wie in jeder Stadt – zum Starbucks. Ich kann gar nicht mehr zählen, wie oft ich in diesem Laden während meiner 6 Monate war...Schade, dass die keine Stammkundenkarten vergeben. Obwohl...bei meinem Hauptdonutlieferanten habe ich auch nur die Hälfte der Punkte geschafft, um was abzustauben, aber die Aktion war auch auf ein Jahr ausgelegt...
Da die Läden irgendwann zumachen und ich dann schon gegen 20 Uhr wirder zum Rauchhotel hätte zurückkehren müssen, ging ich ins Kino. Glücklicherweise musste ich nie den normalen Preis bezahlen, der bei so 15€ liegt. Selbst meine gemeinerweise ja schon abgelaufenen Studentenkarte wurde selbst unter Lupeninspektion immer genehmigt.
Wie immer war mein Stadtaufenthalt nach 2 Nächten beendet. Den bekannten Weg zurück zum Hafen und mit der Fähre auf die südlichste Hauptinsel Japans: Kyushu. (Man erinnere: Die größte Hauptinsel mit Tokyo heißt Honshu). Ich stattete der Stadt mit den wahrscheinlichen meisten heißen Quellen Japans einen verregneten Besuch ab und landete dort gleiche erstmal bei der falschen Jugendherberge...Hatte mich gleich so gewundert, warum die Wegbeschreibung nicht stimmte und ich mich erst verlaufen hatte...War einfach davon ausgegangen auch in dieser Stadt bei der großen Hostelkette zu schlafen, hatte mich aber bei einer besser gelegenen eingeschrieben gehabt...Kein Ding. Wurde ich mal eben mit dem Auto rübergefahren, weil die eh ein Geschenk bei denen vorbeibringen wollten
.
Andere Insel, andere Gepflogenheiten. Die Leute sagen immer, die vom Süden seien netter und lockerer, aber das trifft vielleicht mehr auf Japaner zu. Ich hatte das Gefühl, jetzt geht das Angaffen und die Diskriminierung erst richtig los. Es gab anderes Essen in neuen Conviniencestore Ketten und immer war ich am Meer.
Bei furchtbarem Wetter schlug ich mich zu einem Geysir durch. Dort war nichts mehr mit U-Bahn und Bussen, die alle 10min kommen. Überall brodelte die Erde und Rauchschwaden umhüllten Häuser und Landschaften. Der Geysir war jetzt nicht so atemberaubend, aber ich wollte auch eigentlich hauptsächlich baden gehen, was dort überraschenderweise nicht möglich war. Die anderen Höllen – wie die Quellen hier genannt werden – waren zu weit weg, um mit dem Bussystem nett erreichbar zu sein. In der Nähe des Hostels sollte sich allerdings noch eine altehrwürdige Einrichtung befinden, die zwar von keiner echten Quelle gespeist wird, aber ein eigenes heißes Sandbad besitzt. Das habe ich nicht ausprobiert, dafür war ich vom Gemeinschaftsbad, das weniger als 1€ gekostet hat, angezogen worden. Diesmal mit Shampoo ausgerüstet, gab es dort keine Duschen zum Abschrubben. Dafür konnte man Wasser aus dem Becken schöpfen. Dieses Wasser hatte 42°C und war nichts zum anfänglichen Saubermachen...xD. Ein Kaltwasserhahn ließ Memmen wie mich die richtige Wasserbottichtemperatur mischen zum etwas umständlichen Waschen. Die Japanerinnen hüpften ohne Vorbehalt ins heiße Nass ohne mit der Wimper zu zucken. Natürlich kamen ohne Ende „heiß, heiß!!“ Rufe. Länger als 2min war aber auch von denen keine baden. Nach 30min sah ich mich bereit zu einem zweiten Anlauf und konnte ein paar Minuten da drin aushalten, indem ich mich statuenähnlich verhielt und an den Rand festklammerte. War schön rot hinterher. Aber was Besseres konnte ich bei dem Sauwetter auch nicht machen.
Am zweiten Tag wollte ich eigentlich in den Aso Nationalpark, der einen schönen Vulkankrater beherbergt, aber mit den Buszeiten (mal abgesehen von den Kosten und allem), wäre das ein ganz schönes Risiko geworden, es wieder rechtzeitig zurückzuschaffen. War ich etwas enttäuscht. Dafür fuhr ich dann zu einem Berg in der Nähe, der Affen beheimaten sollte, und wurde mehr als belohnt für diese Entscheidung. Überall in den Bäumen und auf den Wegen um mich herum kletterten und lausten sich frei lebende Affen. Dort am Beginn des Berges und der Wälder haben Menschen eine Futterstelle eingerichtet, sodass Besucher die Tierchen hautnah erleben können. Es wurden auch Informationen über Lautsprecher verteilt, aber von denen habe ich nicht so viel verstanden, nur wer da gerade Affe Nr. 1 oder Nr. 4 der Rangfolge ist
. Ich setzte mich auf eine Bank neben zwei Affen und begann zu zeichnen. Da kletterte ein anderes Äffchen hinter meinem Rücken von rechts auf meinen Schoß, die eine Hand an meinem Buch, das ich bereits hinterm Rücken vor ihm verstecken wollte und die andere Hand an meinem Bleistift...Da ich keine Lust hatte mich beißen zu lassen, ließ ich den Stift los, damit der Griff ums Buch gelockert wurde. Mein armer Bleistift wurde dann konfisziert und zerkaut und von anderen Affen zu Ende gekaut. Als ich nach 2 Stunden dann langsam gehen wollte, sprach mich jemand an, der wohl irgendwie Hobbyfotograph war. Zwei dicke Kameras baumelten um seinen Hals. Der schien sowas wie Stammgast oder was gewesen zu sein. Er gehörte nicht zum Personal, kannte die aber gut und konnte mir einiges erzählen, auch wenn ich nicht immer gleich alles verstand. Seine Frau und noch ein Mädel gesellten sich dazu und gemeinsam kletterten wir durch den Wald, um die zweite Affentruppe zu rufen. In diesem Berg wohnen zwei Affengesellschaften und mittags tauschen sie an der Futterstelle. Dann verschwinden die ersten in die Wälder zurück und die zweiten werden gerufen. Haben sich aber ganz schön bitten lassen und all unser Bemühen wollte an diesem Tag nicht fruchten. Die kamen mit 2 Stunden Verspätung, wo ich dann bereits wieder an der Futterstelle stand, um der Kartoffelschlacht zuzusehen (ein Karren Süßkartoffeln wird gebracht und innerhalb von Sekunden hat jeder Affe was davon). Dort sprach mich eine englische Führerin an und endlich erhielt ich noch ein paar mehr Details und sie zeigte mir den „Kindergarten“ (die haben tatsächlich einen Bereich, wo die Kleinen „abgegeben“ werden und spielen können und ein paar Tanten passen auf) und machte Fotos mit mir und Affen
. Kunststücke wurde irgendwann auch noch vorgeführt. Allerdings sind diese Affen eben wild und nicht trainiert, aber wenn irgendwo etwas zu essen hineingestopft wird, dann lässt sich ein Affe nicht zweimal bitten, das egal wie da rauszuholen...
Von Beppu aus fuhr ich nach 2 Nächten weiter nach Fukuoka, 6. größte Stadt Japans. Die war damals auch das eigentliche zweite Zield er Atombombe, hatte aber das Glück eine geschlossene Wolkendecke zu dem Zeitpunkt zu besitzen, wodurch die Flieger auf das Ausweichziel abschwenkten – Nagasaki. Eine sehr schöne Stadt, Fukuoka! Soll wohl auch zu lebenswertesten Stadt Japans gekürt worden sein. Dort schlief ich bei meiner zweiten Couchsurferin. Sie kommt aus den Niederlanden und arbeitet – na – als Englischlehrerin dort, schon seit einiger Zeit. Das ganze war eine WG mit noch einem Ami und einer sehr amerikanisch eingestellten und sehr gut Englisch sprechenden Japanerin. Ich durfte dann auch ihr Fahrrad benutzen und konnte den Park nebenan bei super Wetter (ich hatte ja auch wieder im Zug gesessen...) noch ein wenig erkunden. Abends nahmen sie mich dann mit in einen englischen Pub, wo eine Besprechung stattfand über ein Ökoprojekt von ihr...So lernte ich einige Leute kennen und hatte endlich mal einen lustigen Abend.
Am nächsten Tag wanderte ich (das Rad war leider platt...wie immer in Japan, hier sind nur Schrottdinger unterwegs) ein gutes Stück am Meer entlang. War das schön! Die Sonne hatte sich noch ein wenig gehalten. Ich suchte langen nach dem „Robosquare“, der auf meiner mal wieder „super“ Tourikarte als eigener Platz eingezeichnet war. In Wirklichkeit war es ein und dasselbe Gebäude, was die Karte als zwei markierte -.- ... Auf einer Etage wurden dort die neuesten Modelle und Techniken in Sachen nützlicher Roboter vorgestellt. Am liebsten hätte ich mich danach an den Starnd gepackt
. Abends nahm mich die Japanerin und ihre Freundin vom Abend davor mit zum traditionellen Essen der Region (spezielle Ramen) und erzählten mir einiges über die Stadt. So macht das Rumreisen Spaß!
Weiterging es zum Flughafen, der praktischerweise nur 5min vom Hbf. entfernt liegt. Dort flog ich nach Okinawa, der südlichsten Region Japans. Okinawa an sich ist eine Hauptinsel von vielen kleinen verstreuten Inseln im Pazifik. Zu der Zeit sollte auch die Walwandersaison stattfinden, aber ich konnte leider während meiner ganzen Zeit keine entdecken
. Ich hatte auch in Okinawa eine Couchsurferin gefunden und das war das Beste, was mir überhaupt passieren konnte!! Sie holte mich vom Flughafen ab und fuhr gleich mit mir zum Stadtzentrum, wo in engen Gassen Markt war. Wir gingen weiter in eine Markthalle hinein, wo die Fische bunt auslagen und Krabben sich in engsten Gefäßen aneinanderkuscheln mussten. Zufällig fand wenige Minuten später auch noch eine Aufführung in der obersten Etage statt, wo ein paar Studenten traditionelle okinawische Musik machten und dazu tanzten. Drei Sänger, eine japanische Gitarre, 3 Tänzerinnen und 6 Jungs mit dicken Trommeln unter den Armen, die damit nicht nur musuzierten, sondern eben auch tanzten. Das war fantastisch. Nebenbei stopfte sie mich mit okinawischen Donuts voll. Hatte ind er Halle unten schon viel probieren müssen, weil jeder Verkäufer uns dazu drängte
. Da hatte ich dann auch mal leckeres Schweineohr (nicht gebraten) dabei.
Wir holten am selben Tag noch einen alten Freund aus England von ihr ab (50J.), der den gleichen Zeitraum wie ich zu Gast sein sollte. Abends gingen wir mit ihrem Mann (Engländer, sie ist Japanerin) in ein gemütliches okinawisches Restaurant und trafen noch auf ihre besten okinawischen Freunde, die auch gleich mal das gesamte Essen bezahlten. So lecker!! Das war schon was ganz anderes als auf dem „Festland“. Aber hier scheint sowieso alles etwas bis ganz anders, nicht nur das Essen. Die Leute sehen anders aus, die Mentalität ist anders und die Sprache sowieso. Okinawa war bis ins 19.Jh. ein Königreich, das erst während der Opiumkriege von Japan erobert wurde. Davor standen sie unter chinesischer Schutzhoheit oder Freundschaft oder so, nur die waren eben in jenen Tagen mit einer Menge anderer Dinge bschäftigten und verweigerten Hilfe. Und schwupps, krallten sich die Japaner das. Dabei werden die bis heute auf gewisse Art und Weise in Japan diskreminiert, sollten sie sich auf den Hauptinseln tummeln. Da hätte sie die armen Leute auch gleich in Ruhe lassen können.
Vom Essen weg trafen ihr Mann und ich uns mit ein paar weiteren Freunden: ein Ami, der auf der amerikanischen Basis in Okinawa arbeitet und dessen Frau, einer Deutschen, die hier als DJ arbeitet. Die hatten auch noch ein paar Freundinnen im Schlepptau und so wurde das die einzig wirklich tolle Party meines Japanaufenthaltes. Der Club war nett, hatte super Musik (eine zeitlang hat sie aufgelegt, wodurch wir kostenfrei reinkamen) und lustige Kellner.
Hatte ich erwähnt, dass es super warm in Hawaii Japans war bei meiner Ankunft? Endlich Sonne und Wärme. Am nächsten Tag hatte sich das Wetter schlagartig geändert...So kalt wie die hunderte Kilometer entfernten japanischen Inseln auch und ein Wind. In Okinawa wird allerdings nicht geheizt. Da ist es ja eigentlich immer warm...*brrr* Den Tag nutzten wir dann zum Stadtbummel, Schlossbesichtigung mit Keksen und Tee und der Umgebung. Hinterher zu einer weiteren Freundin meiner Couchsurferin, die mir ein uraltes Manga schenkte (von 1934 oder so)!! Damit kann ich etwas Japanisch üben, da es für Kinder geschrieben ist. Abends gingen wir alle mit ihr zum Karaoke. Jaaaa!! Endlich!!! Nun musste ich doch nicht ohne dieses MussErlerbnis in Japan weg! Das hat so viel Spaß gemacht. Die beiden Okinawierinnen sangen lustige japanische Titel und tanzten die typischen Bewegungen Okinawas dazu. Der englische Freund hatte ein kuhle tiefe Stimme und hat Sachen wie „Born to be wild“ hingeschmettert mit seinem Bass, dolle Sache. Und der Ehemann konnte nicht wirklich Töne halten, hat sich dessen bewusst aber erst recht reingelegt und quasi köstliche Eigeninterpretationen dargeboten
. So witzig! Alle hatten riesig Spaß. Weiß gar nicht, warum die Deutschen solche Spaßmuffel in der Hinsicht sind...
Am dritten Tag hatte sich das Wetter wieder gebessert und wir fuhren zum weltberühmten Aquarium in den Norden. Da wäre ich alleine nie hingekommen. Ich hatte schon Stunden in der TouriInfo verbracht und hätte am Ende ein Komplettpaket mit anderen Dingen nehmen müssen, nur damit mich ein Bus da hochbringt. Das war so fantastisch, dass unsere beiden Gastgeber alles mitgemacht haben. Wir hatten einen ganz wundervollen Tag dort und gingen abends Sushi an der Drehbar essen. Mmmmh, lecker! Mein letztes japanisches Sushi! Und hinterher noch einen Film geschaut. So sehen perfekte Urlaubstage aus!!
Der Hammer kam aber erst noch den Tag dadrauf! Mit den beiden vom Essen am ersten Abend gingen wir tauchen! Sie ist Tauchlehrerin und er hat ein Boot und Kaptain Cori schipperte die Mannschaft zu einer einsamen Insel. Ein befreundeter amerikanischer Tauchlehrer dockte noch bei uns an und zusammen planschten wir um die Boote rum. Ich ging für eine halbe Stunde mit Flasche runter und sah u.a. einen echten Kugelfisch! Mein Erlebnis! Die Sonne spornte meine Sommersprossen an und ein wenig Bräune verteilte sich auch schon. Bis zum Sonnenuntergang saßen wir noch auf dem Boot am Hafen und ärgerten Kugelfische, die sich dorthin verschwommen hatten. Die kann man aber auch piesacken, wie man will. ie blasen sich trotzdem nicht für ein Foto auf, also schnappten wir sie mit einem Netz. Hab mich hinterher entschuldigt. Direkt vom Boot aus gings mit allen Leuten zum prächtigen Haus der deutschen DJ, die uns zu einem Deutschen Bierabend eingeladen hatte. Leckeres Weizen und viele interessante Geschichten von den Amis, die hier leben. Wir haben uns beide so ins Herz geschlossen! Soll sie bald mal wieder besuchen
.
Der letzte Tag hatte keine größeren Überraschungen mehr parat, verlief aber wie immer ungewöhnlich. Wir strollten ein letztes Mal in der Stadt rum und hatten unser Auto diesmal bei einer weiteren Freundin von meiner Gastgeberin parken müssen, weil der normale Platz plötzlich eine Baustelle beherbergte. Als wir abends zurückkehrten, wurden wir prompt ins Haus eingeladen. Die Freundin leitet dort ein Hostel und war mit einigen jungen Leuten aus ganz Japan am Kochen...Lecker. Ich hab nur leider so schlecht an den Konversationen teilnehmen können. Für 5 Stunden Schlaf setzten sie mich in ein Hostel nahe des Hafens ab, wo ich in der Nacht ein Taxi zu meiner Fähre nehmen musste. Und wieder spielte mir die Tourikarte einen Streich und ließ mich mit dem Taxi an den falschen Hafen fahren. Gut, dass dort ein informierter Mann bereits wach war, der uns an den richtigen Hafen verwies, wo auch schon das riesige Schiff bereit stand.
Niemand weit und breit zu sehen, die Treppe war schon offen und die Türen im Schiff auch. Also krabbelte ich mit meinem Gepäck die glitschigen Stufen hoch und lugte ins Schiff hinein. Kam mir dann aber doch komisch vor, dass ich einfach so da reinkam, sodass ich mich wieder nach unten verkrümelte und einen kompetenten Menschen suchte. Eben jener war bei meiner Ankunft noch nicht an seinem Platz. Nach Beobachtung des Sonnenaufgangs konnte ich bald meinen Fleck Matraze in der 50-Frau-Kabine einnehmen. Direkt neben mir hatte ein amerikanisches Mädel ihren Platz bezogen und so schlossen wir Freundschaft. Ihr Austauschleben in Nagoya an der Universität ist ungefähr doppelt so grauenvoll wie ich meines in Yokohama empfunden habe. Die tat mir echt leid! Wenn wir irgendwo an einer Insel vor Anker gingen, rauschte ich nach draußen, stellte mich genussvoll in die Sonne und beobachtete das Treiben am Hafen. Manchmal wäre ich am liebsten ausgestigen, so idyllisch sah das Fleckchen aus! Abends zogen dann Wolken und Regen auf, sodass sich meine Hoffnung auf Walbeobachtung im Nichts auflöste. Die Nacht gab dank meiner Ohrstöpsel auch etwas Schlaf her und ließ uns mit weiteren Inseln glücklicherweise in Ruhe, denn vor jeder Ankunft ging eine laute Sirene im Schiff los. Nach 23 Stunden hatten wir das japanische Festland erreicht (der Flug hatte 2 Stunden gedauert), wo ich mit meiner neuen Freundin noch gemeinsam ein Stück weiterreiste.
Mein nächstes Ziel war ein Couchsurfer in der Nähe eines Vulkans nahe Nagasaki (was ich nicht mehr schaffte zu besichtigen). Zug, Fähre und Bus standen den ganzen Tag auf dem Programm, bis es mich plötzlich in ein 200 Seelendorf verschlagen hatte. Japanisches Hinterland. Überall wurde ich angestarrt wie eine Erscheinung. Aber das riesige Appartment und der sympathische Couchsurfer haben das wieder wettgemacht. Ich hatte meine eigenes Zimmer mit Blick auf den Minifriedhof, wurde bekocht und konnte endlich pausenlos das Internet nutzen. Am nächsten Tag musste ich mit zwei Bussen fahren, um den Vulkan zu erreichen. Gut, dass ich nicht zu lange an der Haltestelle warten musste, sonst hätte es sicher noch einen verkehrsunfall gegeben. Ein Japaner stupste beim Faren seine Frau an, sie solle doch mal in meine Richtung aus dem Fenster schauen...Beim nächsten Auto wurden wie wild die Fensterscheiben runtergekurbelt und ein vielleicht 6jähriger Bengel steckte sein Kopf raus und rief „hello“ winkend. Ich vergnügt den Gruß erwidert, dann allerdings streckte er sich mit dem Oberkörper raus, zeigte mit dem Finger auf mich und rief ganz laut: „AUSLÄNDER!!“.
An der Umsteigestation hatte Busfahrer Nr. 1 Pause und verwickelte mich in ein Gespräch und gab mir einen Saft aus
. Dann kam Busfahrer Nr. 2 dazu und wir unterhielten uns. Da ich bei ihm dann teilweise auch die einzige Mitfahrerin war, erzählte er mir unterwegs Dinge und hielt sogar einmal an, damit ich einen besonders schönen Kirschbaum fotographieren konnte
. Oben angekommen stank es von überall nach verfaulten Eiern. Der Geruch steckte in allen Mauern. Wääh. Ich spazierte durch die Gegend und den Wald, aber der Krater war zu fuß leider zu weit weg. Aber natürlich ließ ich mir nicht mein letztes Onsen entgehen, das mit diesem stinkenden Quellwasser gespeist wurde. Dort wurde ich auch promt wieder von einer angesprochen und verbrachte meine Zeit im Onsen mal wieder nicht allein (sie konnte super Englisch). Obwohl ich schon wieder 2 Tage Land unter den Füßen hatte, schwankte ich immer noch xD. Zurück zu begrüßte mich dann Busfahrer Nr. 1
und drückte mir einen Bonbon aus seiner Pause in die Hand. Abends hatten wir noch eine Filmeabend mit Freunden. In dem Dorf gab es übrigens Lautsprecher, so wie ich sie aus der Slowakei her kenne. Dort tuten die manchmal morgens um Nachrichten zu bringen. Hier tuteten sie um 6, 9, 12, und 17 Uhr, veranstalteten einen Höllenlärm mit Musik und gingen wieder aus, als wär nix gewesen...*argh*
Mit einer weiteren Nacht in Hiroshima erreichte ich noch Himeji, wo das schönste Schloss Japans stehen soll. Ich habe dort auf jeden Fall den schönsten Kirschbaum Japans gesehen! Und musste mich von einem Opa führen lassen, der mir Dinge erklärte und mich immer an geeignete Fotostellen zerrte, ob ich nun was knipsen wollte oder eigentlich nicht...In Himeji konnte ich nicht schlafen, also quartierte ich mich in Osaka, der drittgrößten Stadt Japans, ein. Dort konnte ich an einem Morgen auch die Eröffnung eines Postoffices in Japan miterleben. Man kam in das Gebäude schon herein, allerdings hatten die Schalter alle noch Rollos davor. Punkt 9 Uhr wurden die gleichzeitig per Hand hochgezogen und hinter jedem Schalter stand ein Postmensch. Dann erteilte wie in dem Unterricht, wo ich Deutsch kleinen Mädchen lehrte, der Oberpostmensch die Befehle zum Salutieren. Wir wurden offiziell begrüßt. Ich war nur am Grinsen.
Zurück in Yokohama wohnte ich bei meiner Ersatzfamilie, ging letzte Einkäufe tätigen und schleppte mein Übergepäck nach Tokyo, wo ich von Susannes Freund (der zwei Wochen früher gekommen war) nicht gerade ins Herz geschlossen wurde und unerwarteter Weise auch diese drei letzten Tage noch alleine rumgurken musste, ohne den gemeinsamen Spaß, den ich mir ausgemalt hatte. Dabei erfüllte ich mir noch einen Kindheitstraum und fuhr ins Disneyland
!!! Obwol ich da ja eigentlich nie alleine hinwollte, aber was anderes wusste ich auch nicht mehr. Hat mich aber von dem Ausgeschlossensein wieder aufgemuntert. Ich habe noch nie so viele Menschen auf einem Haufen gesehen, aber mein Mausohrenhaarreif hat mir Aufmerksamkeit verschafft
.
Ich habe doch einige Menschen auf dieser Reise kennen gelernt, aber nie, wenn ich in Hostels übernachten musste, weshalb ich sehr froh bin, trotz der Schwierigkeiten doch noch so viele Couchsurfer gefunden zu haben. Aber allein so lange zu reisen, ohne sich mitteilen zu können über die Dinge, die man gerade sieht, das ist schon sehr einsam und würde ich nicht nochmal machen wollen.
Japan ist schon ziemlich verrückt...Die seltsamen Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen haben mich immer zum Lachen gebracht. Außerdem lustig (wie mans nimmt) die Fragen, ob ich Hitler toll fand und welche Sprache man denn in Deutschland rede – Englisch? (Was möglicherweise damit verbunden ist, dass sie nicht in einer anderen als der eigenen Muttersprache gewöhnt sind zu kommunizieren). Am meisten vermisse ich die Konbinis – essen, wann immer ich will. Ja, und die wunderschönen Bäume kann ich mir jetzt nur noch auf meinen vielen Fotos anschauen. Und die Mode
...
Schon seltsam, inzwischen habe ich nicht das Gefühl länger als einen Monat weggewesen zu sein...Aber ich werde immer wieder daran erinnert. Deutsche leben eben doch ganz anders.
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